Berg- und Talfahrt unserer Giants, aber eine Niederlage ist kein Rückschlag................L 26:31 (7:6, 0:13, 7:0, 12:12)

Damit habe ich nicht gerechnet. Damit haben viele, wahrscheinlich sogar die meisten von uns nicht gerechnet. Dass unsere Giants von den silbernen Falken aus Laibach zu Hause besiegt werden.

IMG 1802

Obwohl es ganz normal ist, dass so etwas einmal passiert. Die AFL-Mannschaft unserer Giants hat, wie insgesamt der ganze Verein, in den letzten 18 Monaten eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen. Viel dazugelernt und dazugewonnen, sowohl in der Quantität als auch in der Qualität. In jeder Entwicklung nach oben gibt es kleine Rückschritte.

Diese Niederlage war ein solcher. Ein guter Zeitpunkt zur Besinnung. Nicht nur für die Spieler und Coaches. Auch für uns Fans. Ein Sieg in diesem besonderen Sport ist kein Selbstläufer. Der will hart erarbeitet werden. Jedes Mal. Spiel für Spiel.

Gerade gegen so gute Gegner, wie es die Silverhawks in der letzten Saison waren und offensichtlich auch in dieser wieder sind. Beim ersten Sieg im letzten Jahr erzielte unsere Offense 17 Punkte, beim zweiten 23, gewonnen hat diese Spiele im letzten Jahr eine unglaublich starke Defense der Grazer. Im Wild Card Spiel zu Hause bedienten die Slowenen dann die Rangers aus Mödling mit 65:18, im Halbfinale am Tivoli gegen die Raiders erzielten sie 30 Punkte. Die hohe Heimniederlage der Gäste zu Saisonbeginn gegen die Vikings sagt(e) wahrscheinlich mehr über die Stärke der Wiener als über die Schwäche der Silverhawks aus.

Das heimische Publikum zeigte trotz der Niederlage und manch unglücklicher Aktion, dass es nicht zu Unrecht seinen guten Ruf hat. Viele Menschen waren da und stimmten vom ersten Spielzug an in die Rufe und das Getrommel von Cheers und G-Fence ein, deren neues Outfit sehr sehenswert ist. Neugierig? Dann kommt das nächste Mal nach Eggenberg!

Zum Spiel. Es begann wenig überraschend. Wer mit so wenigen Spielern zu einem Spiel antritt, muss fast von der ersten Minute an Dampf machen und vorlegen. Das Team aus Ljubljana packte bereits im ersten Drive den für diesen Tag perfekten Mix aus vielen erfolgreichen Pässen, einigen Runs und zahleichen Läufen ihres Ballverteilers aus. Anthony Gardner lief an diesem Nachmittag gezählte 14 Mal selbst mit dem Ball, steckte dabei einige Hits ein und kam trotzdem auf eine Completion Rate von über 70 %.

Kurz hintereinander mussten Johannes Winter und Oneil Blake verletzt bzw. angeschlagen vom Feld. Sofort nutzte das der erfahrene Quarterback, der mit großer Ruhe, viel Übersicht und hoher Wurftkraft und -genauigkeit ausgestattet ist. Überwarf unsere Secondary, nicht aber seinen Receiver – 0:6.

Im Gegenzug sahen wir ein gefälliges, ebenfalls schön gemischtes Angriffsspiel der Grazer Offense. Auch Christoph Gubisch marschierte 12 Mal an diesem Nachmittag in Richtung Endzone und erzielte dabei ähnliche Raumgewinne wie sein Gegenüber. Die weiten Pässe allerdings wollten in der ersten Hälfte nicht so recht gelingen, meist waren sie einen Tick zu lang. Oder die Receiver zu kurz. Aber auch mit gutem Lauf- und Kurzpassspiel können Punkte eingefahren werden. Klaus Geier schüttelte beim Catch knapp vor der Endzone einen der beiden an ihm klebenden Spieler ab wie unsereins eine Staubfluse und trieb den zweiten mit einem Stiff Arm vor sich her hinein in die Endzone – 7:6.

Es folgten bis zum ersten Viertelwechsel kurze erfolglose Drives auf beiden Seiten. Dann zeigte Anthony Garder erneut, warum er an diesem Nachmittag ein NFL-Quarterbackrating von über 142 Punkten erzielen konnte. Während er über 6 Minuten von der Uhr nahm, warf er vier Mal in Folge aus schwierigen bis kritischen Situationen in aller Seelenruhe seine exakten Pässe, schließlich auch noch als Draufgabe einen fürs nächste TD – 7:12.

Der Konter der Giants wurde bereits im zweiten Play durch eine Interception unterbrochen. Die Nr. 10 der Gäste führte sein Team neuerlich bis in die Endzone – 7:19. Die Grazer Offense war bis zu diesem Zeitpunkt im zweiten Viertel nur 50 Sekunden im Einsatz gewesen. Die noch zu spielenden 1:34 ließen Hoffnung aufkeimen, immerhin haben wir in der letzten Saison einige erfolgreiche Drives in den Schlussphasen von Halbzeiten zu sehen bekommen. Diesmal leider nicht. Pausenstand 7:19.

Gleich nach dem Wiederbeginn fand die Angriffsformation unseres Teams gut zurück ins Spiel. QB Christoph Gubisch überwand schließlich die letzten Yards bis zur Endzone fast mühelos mit einem kurzen Lauf – 14:19. Je ein weiterer Drive beider Mannschaften im dritten Viertel endete vorzeitig. Wieder einmal musste die Entscheidung in den letzten 12 Minuten fallen.

Spielmacher Gardner war einmal mehr an diesem Tag nicht zu stoppen. Mit einem Wechselspiel zwischen Rush und Pass ließ er unserer Defense keine Chance – 14:25. Doch gleich keimte die Hoffnung wieder auf, auch an diesem vertrackten Nachmittag noch einen Sieg einfahren zu können. Nach einem tollen Kick-Return von Oneil Blake beinahe bis zur Mittellinie spielte Chris Gubisch einen Zauberpass direkt in die Arme des durchs Zentrum des Laibacher Backfields enteilenden Philipp Sommer – 20:25.

Dann ein schwerer Fehler eines Silberfalken. Knapp vor der Endzone nahm er den nach dem Kick-Off zur Seitenlinie taumelnden Ball noch auf und stieg dabei aus dem Feld, sodass die Gäste aus Ljubljana an der Drei beginnen mussten. Nach dem Three & Out startete die Giants Offense bereits in der Hälfte der Slowenen. Mühsam kamen sie einige Yards weit, dann ging nichts mehr, per Field Goal wollte man den Rückstand weiter verkürzen, der Kick wurde aber abgefälscht.

Das slowenische Team verlor in der zweiten Hälfte von seinen wenigen Spielern einige durch Verletzung. Am Ende standen gerade noch eine gute Hand voll Spieler in der Wechselzone. Nach dem erfolglosen Drive des Heimteams gelang zum zweiten Mal hintereinander kein 1st Down, sie schienen ziemlich fertiggefahren zu sein.

Aber auch bei unserer Offense klappte es darauf mit dem Passspiel so gar nicht. Bei vier inkompletten Pässen hielt ein äußerst agiler Matthias Kiegerl unser Team mit seinen Läufen im Rennen. Dann fand doch noch ein Pass sein Ziel in Florian Bierbaumer, der sich den hohen Ball aus der Luft fischte und auch vom Bewacher nicht mehr entscheidend zurückgehalten werden konnte – 26:25.

Es waren noch 2 ½ Minuten auf der Uhr, jetzt hieß es runter mit dem Rollbalken. Doch die gerade noch kraftlosen Silverhawks ließen sich von ihrem Quarterback noch einmal mit vielen Pässen über Feld dirigieren. Ein zweites Mal an diesem Tag enteilte Matic Tomse seinen Bewachern und wieder fand der von Anthony Gardner geworfene Ball seinen Fänger in der Endzone – 26:31.

Immer noch 55 Sekunden für die Giants übrig, aber es folgte noch ein letztes Tal im Spiel der Heimmannschaft. Die Niederlage war besiegelt. Wie konnte es dazu kommen?

Die Silverhawks erwischten einen guten Start. Konnten die Fehler der Giants immer wieder gut nutzen. Sie erzielten deutlich mehr Raumgewinn und ließen auch noch die eine oder andere Chance liegen. Und sie hatten an diesem Tag in Anthony Gardner einen einsatzfreudigen, spritzigen, beinahe perfekt werfenden Spielgestalter, der durch den zweiten neuen Import Augustine Sheldon gut unterstützt wurde. Und so durch viele lange Drives fast zwei Drittel der Spielzeit unsere Defense beschäftigte und unsere Offense auch dadurch hinderte, besser ins Spiel zu kommen.

Trotzdem fehlt den Laibachern noch etwas an Kaderbreite, um mit den österreichischen Spitzenvereinen an normalen Tagen bis zum Schluss mitzuhalten. Wenn allerdings im eigenen Spiel so viel nicht funktioniert wie im Normalbetrieb, dann kann diese kleine Differenz mit entsprechendem Einsatz und Biss wettgemacht werden, genau das ist diesmal passiert. Der Biss war oft an jener Grenze angesiedelt, die die Stille vom schrillen Pfiff abgrenzt. Beide Seiten haderten mit so mancher (Nicht-)Entscheidung der Refs. Letztendlich hätten es Giants selbst in der Hand gehabt, die Chancen wurden aber nicht genutzt.

In allen Mannschaftsteilen gab es Defizite. Die Protection der verjüngten O-Line für den QB war schon ziemlich gut, für das Laufspiel durch die Mitte könnte aber sicher noch mehr Platz gemacht werden. Im Passspiel dominierte leider die Unstetigkeit, sehenswerte Aktionen wechselten sich mit grauslichen ab. D-Line und Linebacker drückten mächtig an, aber der scramblefreudige Gardner brachte auch in der Bewegung seine Bälle gut an, erzählbare Erfolgen wie Sacks, Deflections oder gar einer Interception konnten keine erzielt werden. Die hintere Absicherung gelang oft gut, die zwei weiten Pässe auf Tomse – bereits im letzten Jahr eine gefürchtete Angriffsvariante bei allen Gegnern – hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack.

8 Penalties bieten Potenzial zur Verringerung, auch die Flag-Schwinger-Gesten in Richtung der Refs kommen wahrscheinlich nicht immer gut an. Wie man einen allzu bissigen Gegenspieler „einfahren“ lässt, hat Klaus Geier einmal aufgezeigt. Als ihn sein Gegenspieler zwei Mal kurz hintereinander im Fangversuch umarmte und so eine Completion verhinderte, hat er beim nächsten Versuch seine Arme um eine Sekunde zu früh zum Fangen ausgestreckt. Und schon gab es eine P.I. Mit Geduld und Spucke fängt man die Mücken, vor allem die bissigen und lästigen.

Den Spielern und Coaches wünsche ich eine gute Vorbereitung auf das schwierige Auswärtsspiel bei den Rangers am übernächsten Wochenende, Ende des Monats sehen wir dann – davon bin ich felsenfest überzeugt – erstarkte Giants im nächsten Heimspiel.

Let’s go, Giants!